Ein Bienenschwarm im Garten – was nun?
Ein warmer Frühlingstag, ein leises Summen in der Luft – und plötzlich eine dunkle Wolke mit Bienen oder es hängt da eine große Traube voller Bienen im Baum oder am Zaun. Für viele Menschen ist das im ersten Moment ein Schreck. Doch eigentlich erleben Sie gerade ein ganz besonderes Naturschauspiel.
Was passiert da eigentlich?
Ein Bienenschwarm ist ein Aufbruch in ein neues Zuhause. Ein Teil des Bienenvolkes verlässt gemeinsam mit der alten Königin den bisherigen Stock, um sich eine neue Bleibe zu suchen. Ja, die Mutter zieht aus, um dem Kind einen guten Start zu ermöglichen. Als Imker betrachten wir ein Volk „der Bien“ als das eigentliche „Lebewesen“. Während die einzelnen schlüpfenden Bienen den Körperzellen gleichen, die regelmäßig ausgetauscht werden. Also ist der Schwarm die eigentliche natürliche Vermehrung von Bienenvölkern. Als Imker kennen wir natürlich noch andere Tricks, um Völker zu vermehren. Dieser Schwarm sammelt sich für kurze Zeit an einem Ort – oft mitten in unseren Gärten und wird als „Bienentraube“ bezeichnet.
Von der Bienentraube lösen sich einzelne sogenannte „Spurbienen“ und suchen in der näheren Umgebung nach geeigneten Orten, um einzuziehen. 30-60l Volumen in 4-6m Höhe und ein gut zu verteidigendes Flugloch sind dabei die bevorzugte Behausung. In der Natur entspricht dies hohlen Bäumen z.b. verlassenen Spechthöhlen. Allerdings sind Bienen äußerst flexibel und durch aus fähig auch an ungewöhnlichen Orten zu nisten. Ist in der näheren Umgebung kein geeigneter Ort zu finden, steigen sie gemeinsam erneut auf und fliegen 2-3 km weiter, um erneut ihr Glück zu versuchen.
So beeindruckend das aussieht: In dieser Phase sind die Bienen erstaunlich friedlich. Sie haben keine Brut zu verteidigen und sind ganz auf ihre gemeinsame Reise konzentriert. Gleichzeitig ist es für den Imker des Vertrauens der beste Moment die Bienen einzufangen und entsprechend zu versorgen. Ein Schwarm, der keinen Nistplatz findet, ist in sehr vielen Fällen dem Tode geweiht. In unsere ausgeräumte Natur sind Nistplätze sehr rar geworden und selbst wenn sie einen finden, ist die Wahrscheinlichkeit den nächsten Winter zu überleben eher gering. Stichwort: Varroamilbe
Was sollten Sie jetzt tun?
Das Wichtigste vorweg: Bleiben Sie ruhig.
- Halten Sie etwas Abstand und beobachten Sie das Geschehen in Ruhe
- Vermeiden Sie hektische Bewegungen oder laute Störungen
- Halten Sie Kinder und Haustiere fern
- Bitte nicht versuchen, den Schwarm selbst zu vertreiben oder zu entfernen
- Verzichten Sie unbedingt auf Wasser, Rauch oder Sprays
Ein Bienenschwarm bleibt meist nur für einige Stunden oder wenige Tage an einem Ort – dann zieht er weiter oder besser er wird eingefangen.
Wer hilft Ihnen weiter?
Auch wenn die Situation ungewohnt ist: Sie sind nicht allein.
Die Imkerinnen und Imker vom Imkerverein Hameln und Umgebung e.V kümmern sich mit viel Erfahrung und Herzblut um solche Schwärme und geben ihnen ein neues Zuhause.
Ein Bienenschwarm ist kein Notfall – sondern ein Zeichen lebendiger Natur direkt vor Ihrer Haustür. Mit Ihrer Ruhe und einem kurzen Anruf helfen Sie mit, diese faszinierenden Tiere zu schützen.
Die Alternative im Herbst – Wespen?
Wir kennen und „lieben“ sie alle, aber auch sie erfüllen wichtige Dienste für uns und die Natur. Um ein gutes Wort für die Wespen auf die Schnelle einzulegen. Sie vertilgen viele andere Insekten, also suchen sie es sich aus: 5 Wespen am Grilltisch oder 200 Mücken. Was ist ihnen lieber?
Wir erhalten oft im Herbst Anrufe, dass ein Schwarm plötzlich aus der Mauernische oder ähnlichem fliegt. Gerade im Herbst entpuppt sich das oft als Wespennest. Übrigens – die wohnen da dann schon seit etwa April, denn dann werden die Nester von der Königin gegründet. Oft fallen sie aber erst auf, wenn die maximale Nestgröße erreicht ist.
Bienen beenden, bis auf wenige Ausnahmen, die Schwarmzeit übrigens etwa Mitte Juni.
Folgen sie diesem Link - dann wird ihnen aber auch hierbei geholfen.
Ansprechpartner bei Bienenschwärmen in Ihrer Nähe
Unten finden Sie eine Karte.
Dort sind alle Ansprechpartner übersichtlich eingezeichnet.
Eine Bitte noch: Seinen sie nett zu unseren Schwarmfängern. Sie machen es ausnahmslos ehrenamtlich! Sie bieten Hilfe soweit sie können, opfern ihrer Freizeit und sind hoch motiviert.
Aber:
- Natur lässt sich nicht immer bändigen
- Sicherheit hat Vorrang, Experimente mit drei Leitern oder anderen unsicheren Gegebenheiten sind keine Option
- Nicht immer kann geholfen werden. Zieht z.B. der Schwarm in eine Hauswand ein kann versucht werden ihn mit ein paar Tricks in eine Schwarmkiste zu locken. Die Wahrscheinlichkeit liegt hier aber nur bei unter 30%.
- Es kann auch mal sein das der für ihr Gebiet zuständige Schwarmfänger keine Zeit hat oder nicht erreichbar ist. Dann könne sie es gern mit einem anderen Schwarmfänger versuchen.

Quelle der Originalkarte: Datei:Municipalities in HM.svg – Wikipedia